Besser schreiben lernen: So erzielen Online-Texte den gleichen "Buzz" wie Katzenvideos

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Schreiben können viele, gut schreiben schon deutlich weniger. Wenn es zu Webtexten kommt, meinen viele, sie könnten es und nur die wenigsten können es tatsächlich. In diesem Artikel erfahrt ihr, wie ihr erfolgreich für den User am Desktop oder Mobile Screen schreibt.

Die Informationsflut im Internet ist ungebrochen. Neben der eigentlichen Botschaft buhlen, Bilder, Werbeanzeigen, vorgeschlagene Artikel oder weitere Tabs im Browser um die Aufmerksamkeit des Lesers. Der Leser scannt mit einem Tunnelblick über den dargebotenen Text – bleibt er nicht innert Sekunden an einem sogenannten Buzzwort hängen, ist er schneller wieder weg, als dass er den Titel und Anriss wahrnimmt.

Die Aufgabe eines Webtexters ist es folglich, die Bedürfnisse und die Verhaltensweise seiner Zielgruppe zu kennen und Onlinetexte so zu optimieren, dass sie schnell das Interesse des Users wecken.  

Mit diesen 6 Schreibtipps wird Text im Internet tatsächlich gelesen:

1) Frontloading: 70% der Zeit lesen User Inhalte auf der linken Seite. Platziert Schlagwörter folglich links auf einer Webseite.

Tipp: Da Text nicht auf allen Devices gleich dargestellt wird, achtet darauf, wichtige Wörter strategisch zu platzieren: In Titeln, Überschriften oder am Anfang von Aufzählungen.

2) Weniger ist lesenswerter: Je öfter ein Punkt folgt desto besser. Das ist die Devise im Internet. Verzichtet auf komplexe Satzkonstruktionen (Schachtelsätze) und reduziert Sätze auf 14 bis 20 Wörter.

Tipp: Verzichtet auf Sätze, die mit „als“ oder „obwohl“ beginnen, so vermeidet ihr Schachtelsätze.

3) Finger weg von „Wortmonstern“: Aus der Beamtensprache sind Wörter mit Endungen wie -ung, -keit, -mus, -tät, -heit bekannt. Diese machen Texte im Web jedoch schwerfällig und weniger leicht verständlich.

Tipp: Zählt Silben. Mehr als fünf Silben pro Wort machen einen Text kompliziert und bürokratisch.

4) Aktiv dem Passiv abschwören: Passive Satzkonstruktionen sind schwerfällig und langweilen den Leser schnell.

Tipp: Formuliert Text, der im Passiv verfasst ist, um. Stellt hierzu Substantive an den Satzanfang und aktivert Nominalisierungen durch Verben.

5) Das Kopfkino einschalten: Bildhafte Sprache bleibt im Gedächtnis hängen. Oder habt ihr das Katzenvideo im Titel bereits vergessen?

Tipp: Nutzt Metaphern, Präzisionen (blauer Alpha Romeo statt nur Auto), so wird euer Text erlebbar.

6) Den Leser nicht überfordern: Schreckt den User nicht mit Fremdwörter oder abstrakten Texten ab. Verwendet eine einfache Sprache (simple language). So ist der Text für so viele Usern wie möglich verständlich.

Tipp: Benutzt den Fleschindex (Lesbarkeits-Indikator), um die Komplexität eines Textes zu testen und gegebenenfalls zu verringern.  

Hier findet ihr den Fleschindex.

So, und jetzt seid ihr an der Reihe: Happy typing. 

Dieser Blogeintrag entstand ursprünglich als Etivity im Fach "Writing and Editing" im Masterstudiengang Content Strategy an der FH Joanneum in Graz.